E. T. Compton wurde am 29. Juli 1849 in einem Außenbezirk von London geboren, zu einem Zeitpunkt also, zu dem das goldene Zeitalter des Alpinismus eingeläutet wurde und der Tourismus in den Alpenregionen einen stürmischen Aufschwung nahm. Als 16-jähriger erlebte er die dramatische Erstbesteigung des Matterhorns durch seinen Landsmann E. Whymper.

Von entscheidender Bedeutung für Comptons Entwicklung zu einem der bedeutendsten Alpenmaler war der Entschluss seiner Eltern mit ihm 1867 nach Deutschland zu übersiedeln, um sein früh erkanntes, von seinem Vater geerbtes Maltalent weiter zu fördern. In Darmstadt besuchte er eine damals bekannte Zeichen- und Malschule. Seine Wanderungen in der Eifel sowie am Rhein und Mosel fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Skizzen und Aquarellen. Im Sommer 1868 unternahm Compton seine erste Reise in die Alpen. Bei einer Fahrt über den Thuner See sah er zum ersten Mal Jungfrau, Eiger und Mönch. Es heißt, er sei vom Anblick dieser Bergriesen so begeistert gewesen, dass er spontan beschloss Bergmaler zu werden. Er ließ sich in München nieder und studierte an der Münchner Akademie, ohne dort einen akademischen Abschluss zu suchen.

Er heiratete eine Münchner Architekten-Tochter und ließ sich in Feldafing am Starnberger See nieder, von wo aus er zahlreiche Bergtouren unternahm, bei denen er die Bekanntschaft namhafter Bergsteiger wie Blodig, Purtscheller und der Zsigmondy-Brüder machte. Es begann seine große Zeit als Bergmaler. Durch Ausstellungen im Münchner Glaspalast, in der Royal Academy zu London sowie in anderen bekannten Ausstellungshäusern wurde Compton schnell bekannt. Durch zahlreiche Erstbesteigungen in den Alpen machte sich Compton auch in Alpinistenkreisen einen Namen. Durch seine Bergsteiger-Aktivitäten kam er auch mit dem Deutsch-Österreichischen Alpenverein in Kontakt, dessen wesentlichster Illustrator er in den Jahren 1885 bis 1912 wurde. Auch illustrierte er zahlreiche Bücher und Zeitschriften, wodurch er immer populärer wurde. Er schuf auch zahlreiche Ansichtspostkarten, Hotelprospekte und Fremdenführer, wodurch er zu einem großen Förderer des Alpentourismus wurde. Diese Arbeiten sah Compton jedoch stets als Brot-Nebenerwebsarbeiten an. Seine große Liebe galt der realistischen Darstellung der großen Gipfel und Gletscher der Alpen in Form von Aquarellen, Grisaillen und Ölbildern.

Compton führte eine glückliche Ehe. Er hatte fünf Kinder, von denen sein Sohn Harrison und seine Tochter Dora sein malerisches Talent erbten. Compton starb am 22.März 1921 in Feldafing an einem Krebsleiden.

Obwohl Comptons ganze Liebe den Alpen galt, bereiste er auch andere europäische Länder wie Korsika, Norwegen, Italien, Spanien und sein Heimatland England und verarbeitete Motive aus diesen Ländern zu Bildern hoher Qualität. Dennoch gilt Compton als einer der größten, wenn nicht als größter Alpenmaler überhaupt. Oftmals wird er auch als Bergsteigermaler bezeichnet, d.h. als Maler, dessen Bilder mit den Augen eines Bergsteigers gemalt wurden. Infolgedessen sind die Bilder Comptons, die primär auf eine möglichst naturgetreue Wiedergabe des Geschauten abzielen, nicht mit denen anderer berühmter Bergmaler, wie z.B. eines Calame, Hodler oder Segantini vergleichbar, bei denen überwiegend die künstlerische Fantasie die Qualität des Bildes bestimmt.

Kein anderer Bergmaler hat die Alpen so umfassend dargestellt und ein so umfangreiches, einzigartiges Werk hinterlassen wie Edward Theodore Compton.

Literatur: Jürgen und Sibylle Brandes, „E.T. Compton“; Bergverlag Rother, 2007, ISBN 978-3-7633-7049-8


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